Ein Atomkraftwerk und Drucker, die illegal AC/DC spielen.
- Laura Andracchio

- 25. März
- 2 Min. Lesezeit
AC/DC auf Endlosschleife – und keiner weiss warum
For those about to print – we salute you.
Im Jahr 2012 landet bei Mikko Hyppönen – einem der bekanntesten Cybersecurity-Experten der Welt – eine ziemlich absurde E-Mail.
Absender: Ein Techniker aus dem Iran.
Genauer: aus der Atomic Energy Organization of Iran.
In der Mail stand, dass Ihre Systeme Amok laufen würden. Und irgendwas spielt mitten in der Nacht „Thunderstruck“ von AC/DC. Über die Druckerlautsprecher. Auf voller Lautstärke. Und das in Dauerschleife. Kein Anhang, keine Screenshots, kein Sample. Nur eine bizarre Beschreibung:
‘Our nuclear program has been compromised…There was also some music playing randomly … I believe it was playing "Thunderstruck" by AC/DC … The malware also deleted all the log files.’“
Systeme tot, Musik an, Spuren weg. Macht das Sinn? Eigentlich nicht. Und genau deshalb ist es so verdammt gut. Die Mail kam kurz nach dem weltberühmten Stuxnet-Angriff ans Licht – dem ersten echten Cyberangriff auf eine kritische Infrastrukturanlage, der Zentrifugen zerstörte und digitale Kriegsführung in den Mainstream brachte. Und plötzlich kursiert die Geschichte, dass jemand den Iran nicht nur gehackt hat – sondern auch musikalisch gedemütigt. Mit Rockmusik.
In einem Land, in dem AC/DC verboten ist 🤣

Hyppönen zeigte die Mail zwei Jahre später auf der Black Hat-Konferenz in Las Vegas. Er selbst blieb skeptisch:
„Maybe it’s a mind game. Or maybe it never happened.“
Fact or Fiction?
Das fragt sich wahrscheinlich auch Jonathan Frakes (wenn du in den 2000ern geboren ist wirst du den wohl nicht checken, sorry!) Mikko hat die E-Mail nie als Fake entlarvt. Sie kam von einer verifizierbaren Adresse. Die Geschichte war technisch plausibel. Und sie wurde von Medien wie The Verge, The Independent und iTnews aufgegriffen. Aber bis heute gibt’s keine Beweise, kein Sample, kein Täter. Nur eine Story, die klingt wie ein Plot aus Mr. Robot, geschrieben von jemandem mit Musikgeschmack und sehr schlechter Laune.
Was auch immer da passiert ist – ob ein echter Angriff, ein Trollversuch oder eine psychologische Operation – es hat gereicht, um einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Warum? Weil es anders war. Weil es nicht nur Daten betroffen hat, sondern Emotionen und natürlich auch, weil AC/DC hierzulande zwar harmlos, aber im Iran tatsächlich verboten war. Weil es laut war, unangekündigt, und komplett aus dem Ruder lief. Und weil es zeigt: Wer in Systeme eindringen kann, kann auch entscheiden, was diese Systeme sagen - oder in diesem Fall - singen.
Hier ist übrigens der Blogpost von Hyppönen von damals zu finden:
Vielleicht war es ein Warnschuss mit Stil. Vielleicht ein musikalischer Mittelfinger. Vielleicht einfach nur ein verdammt kreativer Weg zu sagen: «Wir waren hier.»
Fazit:
Falls also dein Drucker demnächst „Thunderstruck“ spielt: Nicht gleich rebooten. Vielleicht bist du einfach nur Teil der Fortsetzung.

Spannend. Klingt absurd, aber es gibt nichts, was es nicht gibt. Wir wissen vieles nicht!