Was eine Motte mit Debugging zu tun hat: Der erste Computer-Bug.
- Laura Andracchio

- 28. Jan.
- 2 Min. Lesezeit
Heute fluchen wir über «Bugs».
Damals klebten sie sie ins Logbuch.
Stell dir vor, du arbeitest an einem der modernsten Computer der Welt. Wir schreiben das Jahr 1947. Es ist der 9. September. Das Ding ist so gross wie ein Zimmer, klingt wie eine schlecht gelaunte Fabrik und kostet mehr als alles, was du jemals besitzen wirst.
Und dann… funktioniert es plötzlich nicht mehr.
Was zur Hölle ist passiert?
Die Ingenieure am Harvard Mark II machen das, was man damals eben macht: Sie schrauben das Ding auf. Zwischen Kabeln, Zahnrädern und Relais entdecken sie den Übeltäter.
Kein defektes Bauteil. Kein Rechenfehler. Eine Motte.
Eine ganz normale, sehr tote Motte, die sich in einem Relais verfangen hat. Mechanik blockiert. Stromfluss gestört. Rechner so tot wie die Motte selbst.
Hightech 1947: besiegt von einem Insekt.
Anstatt die Motte wegzuwerfen (wie das «normale» Menschen tun würden), passiert Folgendes:
Die Motte wird vorsichtig entfernt
ins offizielle Logbuch geklebt
und mit einem trockenen, nerdigen Kommentar versehen:
«First actual case of bug being found.»
Boom. Geschichte geschrieben.
Der erste Computer-Bug und die Geburt des Debuggings
Der Begriff „Bug“ existierte zwar durchaus schon vorher:
Zum Beispiel im Ingenieurwesen, für nervige technische Fehler.
ABER: Das war der erste dokumentierte Computer-Bug, der buchstäblich ein Insekt war.
Und weil Tech-Leute Humor haben (oder dringend einen brauchten), wurde daraus der Ursprung des Begriffs „Debugging“.
Denn ab jetzt war klar:
Man entfernt Bugs.
Man debuggt.
Macht Sinn, oder?
Grace Hopper - Die Frau, die die Story unsterblich machte
Grace Hopper war Teil des Teams rund um den Mark II. Ob sie die Motte selbst gefunden hat? Das lässt sich nicht belegen. Wahrscheinlich nicht. Aber sie hat die Geschichte erzählt. Immer wieder. Und genau deshalb kennt man sie heute noch.
Aber, wer war Grace Hopper überhaupt?
Eine der wichtigsten Figuren der frühen Informatik und damit «Computer Pionierin»
Navy Rear Admiral
Bekannt dafür, ineffiziente Systeme abgrundtief zu hassen
Sie war eine Frau, die sagte: «Wenn etwas scheisse ist, reparier es. Frag nicht um Erlaubnis.»
Ich mag sie. Absolute Legende.
Aber was ist mit der Motte passiert?
Die Motte gibt's noch. Sie ist zwar noch immer tot - aber sie wurde zu einem echten Stück Geschichte. Das Original-Logbuch mit der eingeklebten Motte liegt heute im Smithsonian National Museum of American History.


Bilder: Courtesy of the Naval Surface Warfare Center, Dahlgren, VA., 1988. - U.S. Naval Historical Center Online Library Photograph NH 96566-KN / Wikimedia
Wenn du jemals denkst, dein Job sei sinnlos - denk dran; jemand hat mal eine Motte in ein Logbuch geklebt und damit Tech-Geschichte geschrieben.
Am Ende bleibt diese Erkenntnis
Die digitale Welt wirkt komplex, abstrakt, manchmal fast magisch. Aber wenn man zurückschaut, beginnt alles viel kleiner, als man denkt. Nicht mit Code. Sondern mit irgendetwas, das schiefgeht.
Manchmal reicht eine Motte, um die Zukunft aufzuhalten. Oder sie aus Versehen zu starten.
Und vielleicht ist genau das der schönste Reminder:
Hinter jeder noch so digitalen Revolution stecken Menschen.
Und manchmal auch einfach nur eine verdammte Motte.


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