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Internet Key Ceremony: 14 Menschen kontrollieren das Internet

Autorenbild: Laura Andracchio
Laura Andracchio
22. Juli
3 Min. Lesezeit

Zumindest laut einer Schlagzeile, die seit Jahren durch Foren und Feuilletons geistert. Und auch wenn sie heute nicht mehr ganz stimmt – der Ursprung ist real.

 

Hast du dich jemals gefragt, wer eigentlich dafür sorgt, dass das Internet überhaupt funktioniert? Wenn nicht, tu es! Es ist eigentlich ziemlich spannend 😅

 

Diese 14 Personen waren Teil eines streng überwachten Rituals: der sogenannten Internet Key Ceremony. Dabei handelt es sich um ein Verfahren der ICANN (Internet Corporation for Assigned Names and Numbers), das den wichtigsten kryptografischen Schlüssel des Internets schützt: den Root Zone Key Signing Key (KSK). Dieser Schlüssel ist das Herz des Domain Name Systems (DNS) – dem globalen Adressbuch, das Domains wie 20minuten.ch oder google.com in IP-Adressen übersetzt. Damit dein Browser weiss, wohin er Daten schicken muss, und du nicht auf einer gefälschten Seite landest.

 

Mehrmals im Jahr findet in zwei gesicherten Rechenzentren – eines in El Segundo (Kalifornien), das andere in Culpeper (Virginia) – eine Zeremonie statt, die in ihrer Präzision an eine technische Liturgie erinnert.

 

Wie funktioniert die Internet Key Ceremony?

Jede Sitzung läuft nach einem exakt definierten Ablaufplan ab:

 

  • Alle werden biometrisch überprüft & durch Sicherheitskontrollen identifiziert.

  • Der Raum ist vollständig videoüberwacht, jeder Schritt wird protokolliert.

  • Mehrere Trusted Community Representatives öffnen mit physischen Schlüsseln gemeinsam einen Tresor.

  • Darin liegen Smartcards, die in ein Hardware Security Module (HSM) eingesetzt werden – ein speziell gesichertes Gerät für die Schlüsselerzeugung.

  • Erst wenn genügend autorisierte Personen gleichzeitig ihre Karten aktivieren, wird der Root Key generiert oder signiert.

  • Danach wird alles verifiziert, protokolliert und das System wieder versiegelt.

 

Diese Prozedur stellt sicher, dass niemand allein die Kontrolle über den Schlüssel hat – weder ICANN selbst noch eine einzelne Regierung oder Organisation.

 

Die Legende von den „14 Personen, die das Internet kontrollieren“, stammt aus der Anfangszeit im Jahr 2010, als es tatsächlich 14 Schlüsselträger gab. Heute sind es allerdings über 50 Experten weltweit, verteilt auf verschiedene Rollen und Regionen. Das System ist dezentral, redundant und öffentlich dokumentiert.

 

Kennt man diese Personen?

Tatsächlich tut man das, ja. Wer diese Menschen sind, ist kein Geheimnis. Die sogenannten Trusted Community Representatives (TCRs) sind auf der Website der IANA öffentlich aufgeführt – darunter IT- und Sicherheitsexperten aus aller Welt, etwa aus Schweden, Australien, Tschechien oder den USA. 

 

Die aktuelle Liste aller Trusted Community Representatives findet ihr direkt bei der IANA:

 

Ist es nicht gefährlich, dass man diese Menschen kennt? 

Nein – genau das ist Absicht. Das System setzt auf Transparenz statt Geheimhaltung.Alle Schritte sind dokumentiert, jede Handlung wird aufgezeichnet, und keine Einzelperson kann etwas allein auslösen. Sicherheit entsteht hier durch Kontrolle und Verteilung, nicht durch Anonymität.

 

Und wie werden diese Menschen ausgewählt?

Die Auswahl erfolgt über die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (ICANN) beziehungsweise Internet Assigned Numbers Authority (IANA) nach folgenden Kriterien:

 

  • technische Expertise

  • Integrität

  • geografische Vielfalt

  • und keine Zugehörigkeit zu ICANN, VeriSign oder ähnlichen Organisationen.

 

Auch die Zeremonien selbst sind kein Mysterium. Sie werden tatsächlich sogar live gestreamt – Mitschnitte, Protokolle und Checklisten sind für jede Sitzung auf iana.org abrufbar. Dort kann man sehen, wie reale Menschen in hochgesicherten Räumen echte Schlüssel drehen, Smartcards aktivieren und mit Protokollsätzen wie „The HSM is sealed and operational“ den globalen Vertrauensanker des Internets erneuern.


Wenn ihr mal eine (längere) Pause von euren Mails braucht, schaut euch die Zeremonie vom Juli 2025 doch mal an. Ist echt witzig:



1 Kommentar


Doris Andracchio
22. Juli

Das ist ja eine spannende Sache. Hatte keine Ahnung davon, dass es so eine Sicherheitsmaschinerie überhaupt gibt. Danke für diesen Bericht.

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